Ich betrachte die Musik als die Wurzel aller übrigen Künste. (Heinrich von Kleist)
Muten wir unseren Kindern zu viel zu, wenn wir sie bereits mit einigen Monaten oder als Kleinkind für die musikalische Früherziehung anmelden? Oder nützt musikalische Früherziehung unseren Kinder und uns und wenn ja, wie?
Ich habe mich damals entscheiden, die Elternzeit zu nutzen und an der musikalischen Früherziehung mit unserem Baby teilzunehmen. Denn unsere Musikschule bietet bereits 45 minütige Kurse für Babys ab vier Monaten an. Mitbringen mussten wir nichts, außer unser Baby natürlich. Voller Erwartung saßen noch einige andere Mütter bzw. Väter und ich in einem Sitzkreis in der ersten Stunde, jeder hatte sein Baby auf dem Schoss. Die Musiklehrerin hatte eine große Stoffpuppe dabei, die immer mit den Babys interagierte. Los ging es mit einem Begrüßungslied, bei dem jedes Kind mit Namen, die Puppe und anschließend die Eltern begrüßt wurden. Einfache Bewegungen wie Winken begleiteten das Lied. Alle Babys beobachteten gespannt, was nun passierte. Einige wippten, andere lächelten und manche schauten noch etwas verunsichert. Schließlich war die komplette Umgebung neu für sie.
Im Laufe der Stunde folgten weitere Lieder, Fingerspiele und kleine Tänze, bei denen die Babys auf dem Arm getragen wurden. Man merkte deutlich, dass sie sich zunehmend wohler fühlten. Das besondere jeder Stunde war, dass es immer ein Instrument zum Ausprobieren gab. Die Lehrerin hatte beispielsweise Klanghölzer, Trommeln, eine alte Gitarre o.ä. dabei. Auf diese konnte die Kleinen draufschlagen, zusammenschlagen, hineinschauen oder was auch immer ihnen beliebte. Manche Kinder waren auch schon etwas älter und begannen, im Raum herumzukrabbeln und alles genau zu erforschen. Unser Kleiner liebte Lieder, bei denen ein Jongliertuch zum Einsatz kam, von Anfang an. Er fand es toll, auf dem Rücken zu liegen, den Liedern zu lauschen und nach den bunten Tüchern zu greifen. Dabei lachte, strahlte und strampelte er.
In den kommenden Wochen wiederholten sich einige Lieder, manche wurden ersetzt. Immer gleich blieb das Begrüßungs- und Abschiedslied als Ritual. Viele Kinder lernten dadurch das Winken, da es die Bewegung zum besagten Lied war. Durch die musikalische Früherziehung konnten auch wir als Eltern Lieder mit nach Hause nehmen, da wir sie uns gemerkt hatten.
Meine Motivation, an der musikalischen Früherziehung teilzunehmen, war es nicht, mein Kind besonders zu fördern und zu hoffen, dass es sich dadurch deutlich besser entwickelt oder es sich gar auf seine Intelligenz auswirkt. Zweifellos hat Musik einen positiven Einfluss insbesondere auf die kognitive, soziale und sprachliche Entwicklung, doch das war nicht mein primäres Ziel. Mir ging es darum, mich unserem Kind ganz bewusst zu widmen, ohne nebenbei zu kochen, den Haushalt zu machen, einzukaufen oder zu stillen, zu wickeln etc. Natürlich verbringen wir gerade in den ersten Monaten den gesamten Tag und die Nacht mit unserem Baby, oftmals gehen wir dabei jedoch auch anderen Tätigkeiten nach. Dank der musikalischen Früherziehung hatten unser Baby viele exklusive Momente, die in Erinnerung bleiben. Daher bin ich davon überzeugt, dass die Früherziehung die Eltern-Kind-Bindung sehr positiv beeinflusst. Wir freuten uns immer auf die nächste Stunde und warten schon auf den Beginn des weiterführenden Kurses. Um dem Kleinen nicht zu viel zuzumuten, ist das auch der einzige Kurs, an dem er mit Freude teilnimmt.